Geduldeter Überziehungskredit
Ein geduldeter Überziehungskredit ähnelt dem Dispositionskredit insofern, als dass auch hier ein bereits bei einem Kreditinstitut bestehendes Konto über seine Deckungssumme hinaus belastet wird.
Im Gegensatz zum Dispositionskredit wird allerdings bei einem geduldeten Überziehungskredit keine vorherige Vereinbarung mit der Bank getroffen.
Eine Belastung des Kontos bis in die negativen Zahlen kann entstehen, wenn dessen Inhaber Zahlungsverpflichtungen eingeht, die seine finanziellen Verhältnisse übersteigen. Der Kontoinhaber nimmt den Kredit in Anspruch und das Kreditinstitut kann erst im Anschluss entscheiden, ob es die Überziehung des Kontos duldet. Diese Entscheidung wird, wie bei der Vergabe eines regulär beantragten Kredits, nach Bewertung der Kreditwürdigkeit des Kunden gefällt. Wird diese ausreichend positiv eingeschätzt, so können Lastschriften und Schecks auch noch eingelöst werden, wenn das Konto keine genügende Deckung aufweist. Dauert die Überziehung jedoch länger als drei Monate an, ohne dass ein zwischenzeitlicher Ausgleich erfolgt, so müssen dem Kunden die Konditionen des geduldeten Überziehungskredits mitgeteilt werden. Zu diesen zählen der Jahreszins sowie alle weiteren anfallenden Kosten und sämtliche Änderungen dieser Angaben. Es ist jedoch ausreichend, diese Informationen über einen Ausdruck auf dem Kontoauszug zugänglich zu machen; ein persönlicher Brief ist nicht notwendig.
Da der geduldete Überziehungskredit einer Bank ein höheres Risiko auferlegt als ein Darlehen mit regulärem Kreditantrag, werden zur zusätzlichen Absicherung zumeist auch höhere Zinsen erhoben. Üblicherweise beläuft sich der Zinssatz auf drei bis fünf Prozentpunkte mehr als für einen Dispositionskredit. Damit werden die Aufwendungen der Bank im Zuge der Bonitätsprüfung und bei der Beschaffung der zusätzlichen Gelder vergütet. Neben den Zinskosten kommen auf den Kreditnehmer noch weitere Kosten zu, beispielsweise Kontoführungsentgelte und Portoauslagen.
Es ist auch möglich, einen Dispositionskredit und zusätzlich noch einen geduldeten Überziehungskredit in Anspruch zu nehmen. Dies ist dann der Fall, wenn der gewährte Rahmen des Dispositionskredits überzogen und das Konto darüber hinaus belastet wird. Dabei werden zwei verschiedene Zinssätze angewandt: Der Betrag, der sich im gewährten Rahmen des vereinbarten Dispositionskredits befindet, wird zu dessen Konditionen verzinst; alle weiteren Ausgaben müssen mit der höheren Rate des geduldeten Überziehungskredits getilgt werden.
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